Slide-Gitarre

Bottleneck Technik (Slide)

Hier findest du Informationen über das Slidespiel auf der Gitarre. Den Sound der Slide-Gitarre verbinden die meisten vor allem mit Blues. Diese Technik geht zurück auf hawaiische Musik und afrikanische Musik. Hier geht es aber vor allem um die Besonderheiten der Bottleneck-Technik auf der Gitarre.

Unterschied zwischen Slide und Tonebar

Es gibt verschiedene Arten des Slidespiels. Mit Bottleneck bzw. Slide oder Tonebar.

Tonebar

Tonebars gibt es in verschiedenen Ausführungen wie z.B. als massiver Stab, der eher an eine Zigarre erinnert oder mit Griffmulden. Verschiedene Materialien sind u.a. für unterschiedliche Klangeigenschaften verantwortlich. Tonebars werden mit der Greifhand gegriffen. Dazu liegt die Gitarre auf dem Schoß und man setzt den Tonebar von oben auf das Griffbrett, auf (nicht hinter) die Bundstäbchen, ohne die Saiten herunterzudrücken. In dieser Stellung kann man nun über die Saiten sliden. Akkorde von oben zu greifen wird dabei sehr schwierig. Dazu ist diese Technik nicht wirklich gedacht. Für das Spielen von oben gibt es auch spezielle Instrumente wie die Pedal-Steel-Gitarre oder Dobros mit Squareneck (mit eher quadratischem Hals).

Slides (Bottleneck)

Weiter verbreitet als das Spielen mit Tonebars, ist die Verwendung eines Slides, auch Bottleneck genannt. Hierbei spielt man i.d.R. wie man sonst auch spielt, also stehend oder sitzend mit der Gitarre vor dem Bauch. Das Slide wird i.d.R. auf den Ringfinger oder den kleinen Finger gezogen.

Slide-Technik

Bei der Bottleneck Technik wird das Slide leicht auf die Bundstäbchen gehalten, wobei die Saiten nicht heruntergedrückt werden. Wichtig ist, dass das Slide auf den Bünden platziert wird und nicht wie beim normalen Greifen vor dem Bundstäbchen. Meist ist es sinnvoll das Slide auf allen Saiten gleichmäßig aufzulegen, auch wenn nur bestimmte Saiten angespielt werden. Dies ermöglicht eine größere Kontrolle, ist aber nur bei langen Slides möglich. Die restlichen Finger der Greifhand müssen die Saiten hinter dem Slide, also Richtig Kopf der Gitarre abdämpfen. Das ist sehr wichtig, weil sonst ein unschönes Scheppern erklingt.

Oft slidet man in einen Ton oder Akkord rein, das heißt man startet z.B. einen Halbtonschritt tiefer, schlägt die Saiten an und bewegt den Slider zu seinem Zielton, bzw. dem Zielakkord.

Slide-Stimmungen

Man kann natürlich im Standard-Tuning Slide-Gitarre spielen. Der Nachteil ist, dass man kaum einen Akkord mit dem Bottleneck spielen kann. Schließlich kann man bei dieser Technik gleichzeitig nur Töne spielen, die alle auf einem Bund liegen. Beim Standard-Tuning spielt man daher i.d.R. höchstens 3 Saiten gleichzeitig an. Ansonsten spielt man eher Riffs und Melodien vorwiegend in der Blues-Scale.

Wesentlich einfacher wird das Slide-Spiel mit offenen Stimmungen wie Open G, Open A oder Open D. Bei diesen Open Tunings wird die Gitarre auf einen Akkord, meist ein Dur-Akkord gestimmt. Somit erhält man auf den leeren Saiten einen Akkord und somit auch auf jedem anderen Bund und das ist genau das, was man für die Bottleneck-Technik braucht.

Viele Slide-Spieler, vor allem im Blues nutzen Open Tunings.

Umfangreiche Infos über offene Stimmungen findest du auf dieser Seite unter: Open Tuning / Alternate Tuning

Mein persönliches Lieblingstuning, nicht nur für Slidegitarre, ist das Open G Tuning. Dazu gibt es auf dieser Seite viele Infos unter:
Open G Tuning

Wer sich intensiver mit der offenen G Stimmung beschäftigen will, dem möchte ich mein Gitarrenbuch Open G Tuning empfehlen. Hier findest du alles, was du für einfaches oder komplexes Gitarrenspiel in Open  G brauchst.

Slide-Arten

Slides unterscheiden sich vor Allem in der Größe und dem verwendeten Material. Slides aus Glas klingen etwas weicher als Slides aus Metall. Es gibt auch Keramik-Slides, die oft mehr Sustain bieten. I.d.R. gilt, je dicker und schwerer, desto mehr Sustain. Dann gibt es Slides auch in verschiedenen Längen. Es gibt sie auch in Form kleiner Medizinflaschen. Diese wurden früher oft von Blues-Musikern benutzt, als es noch keine kommerziellen Anbieter für solche Musikalien gab. Aus dieser Zeit kommt auch der Begriff Bottleneck, da man einfach Flaschenhälse zum Sliden genutzt hat.

Welches Slide am Besten geeignet ist, ist Geschmackssache. Kleine Slides sind z.B. sehr handlich, aber man deckt nicht alle Saiten ab. Metallslides sind erst mal kühl, haben aber auch einen speziellen Sound. Zur Entscheidung sollte man einfach mal unterschiedliche Materialien und Größen ausprobieren und den besten Kompromiss zwischen Sound und Handlichkeit finden.

Welchen Finger nutzt man für den Slider?

Am flexibelsten ist man, wenn man das Slideröhrchen auf den kleinen Finger steckt. Dann hat man noch 3 Finger frei für das normale Gitarrenspiel. Vor allem bei schwereren Slides ist das schon Gewöhnungssache. Oft wird das Slide auf den Ringfinger gesteckt. Mit dem Ringfinger hat man auch ohne viel Übung mehr Gefühl für die richtige Positionierung und immer noch 2 Finger frei. Am Mittelfinger geht auch, dann kann man noch mit Ringfinger und kleinem Finger spielen, falls man das hinkriegt. Am Zeigefinger geht nicht, weil man braucht mindestens 1 Finger zum Dämpfen Richtung Kopfplatte.

Jeder hat andere Voraussetzungen bezüglich seiner Greifhand. So ist diese Entscheidung individuell verschieden.

Erste Schritte beim Bottleneck-Stil

Die Slidetechnik ist nicht so einfach, wie es aussieht. Man muss einfach ein Gefühl dafür entwickeln, den Slider richtig zu positionieren und gleichzeitig die Saiten dahinter abzudämpfen. Was auch sonst beim Üben gilt, ist hier besonders wichtig: Langsam anfangen. Die Bottlenecktechnik lebt vor allem von der Akzentuierung und vom Sound. Wenige Töne, sauber und genau auf den Punkt gebracht schaffen genau das Gefühl, was man von dieser Technik erwartet.

Wenn du Melodien mit dem Slide spielen willst, nutze zunächst die Blues-Scale oder Pentatonik. Hier liegen auf vielen Bünden tonleitereigene Töne übereinander.

Wenn du in einer offenen Stimmung spielen willst, findest du hier Grundakkorde für einen Blues in Open G.

 

Saitenlage und Saitenstärke

Idealerweise hat man für die Bottleneck-Technik eine sehr hohe Saitenlage, die verhindert, dass man aus Versehen die Saite mit dem Slider bis zum Bundstäbchen herunterdrückt. Durch ein hohe Saitenlage kann man sauberer spielen.

Dickere Saiten klingen voller mit dem Slide, es gibt aber auch Gitarristen, die mit dünnen Saiten Slidegitarre spielen.

I.d.R. hat man aber keine Gitarre, die man speziell auf diese Anforderungen einstellt, oder will nicht 2 Gitarren zur Probe mitnehmen. Wenn die Saitenlage nicht all zu tief ist, funktioniert das auch. Das muss jeder entscheiden, wie flexibel seine Gitarre bleiben soll.